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Medicenter Solln


Was macht der Pharmakologe?

Die Lehre von der Pharmakologie

Die Pharmakologie ist die Lehre von den Wechselwirkungen zwischen körperfremden Stoffen und Organismen. Auch körpereigene Stoffe können als Pharmaka eingesetzt werden, sofern deren Konzentration das normale physiologische Maß übersteigt.

Die Pharmakologie existiert in ihrer heutigen Konzeption als analytisch-experimentelle arbeitende Naturwissenschaft erst seit Mitte des 19 Jahrhunderts. Theophrastus von Hohenheim, genannt Paracelsus (1493-1541), begann als erster die überkommenen Lehrmeinungen der mittelalterlichen Medizin in Frage zu stellen. Er entdeckte u.a. die narkotisierende Wirkung des Äthers. Er verordnete chemisch definierte Stoffe so erfolgreich, dass er der Giftmischerei angeklagt wurde. Gegen die Anklage verteidigte er sich: „Wenn ihr jedes Gift erklären wollt, was ist dann Gift? Alle Dinge sind Gift und nicht ist ohne Gift, allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist.“

Bis in die Mitte des 19 Jhdts. gibt es nur vereinzelt bedeutsame Forscher wie 1806 Friedrich W. Sertürner in Paderborn (isolierte Morphium), 1809 Francois Magandie (Wirkung von Strychnin) oder 1842 Claude Bernard in Paris (Wirkung von Curare). Den eigentlichen Durchbruch gelang Oswald Schmiedeberg (1838-1921), der 1847 auf eigene Kosten an der Universität Dorpat, dem heutigen Tartu in Estland, das er erste pharmakologische Institut gründete. 1872 wurde er nach Strassburg berufen. Hier arbeitete er wissenschaftlich ungemein erfolgreich und bildete eine große Zahl von Schülern heran, von denen 12 auf pharmakologische Lehrstühle berufen wurden. Sein außerordentlicher Erfolg gilt als verantwortlich dafür, dass die pharmazeutische Industrie Deutschlands bis in die Zeit des 2. Weltkrieges als weltweit führend angesehen wurde. Heute gibt es 143 pharmakologische Institute im deutschen Sprachraum.

Das heutige Verständnis, das wir vom Aufbau eines Organismus, von seinen Organen, seinen Zellen und molekularen Vorgängen haben, ist noch relativ neu (kaum älter als 200 Jahre) und die wesentlichen molekularbiologischen Methoden sind erst in den letzten 40 Jahren entwickelt worden. Bei der Herstellung von Arzneimitteln und Erforschung von deren Wirkmechanismen sind u.a. Molekularbiologen, Informatiker, Chemiker, Biologen, Physiker, Pharmazeuten, Mediziner, Verhaltenspharmakologen, praktisch alle naturwissenschaftlichen Disziplinen beteiligt. Heute lassen sich durch Arzneimittel rund 30.000 bekannte Krankheiten erfolgreich behandeln.

Im therapeutischen Potential der heutigen Medizin spielen Medikamente eine dominante Rolle. Das enorme Innovationspotential der pharmazeutischen Industrie stellt das pharmakologische Wissen der Ärzte vor große Herausforderung. Die Kenntnisse über die Freisetzung, Aufnahme, Verteilung, Verstoffwechselung und Ausscheidung sowie die Wirkung und Nebenwirkungen eines Arzneimittels im Organismus nehmen rasant zu und werden immer komplexer.